Zeit ist ein sonderbar Ding

„ Beim Jubiläumsabend im Musikverein hielt nicht ein Politiker die Laudatio, sondern die Schauspielerin Dorothee Hartinger, indem sie einen passenden Text von Ingeborg Bachmann (Musik) vortrug. Weitere Überraschungen boten die Sängerinnen. Ildiko Raimondi versuchte sich auch im Mezzo-Fach (als Ariadne-Komponist), Agnes Baltsa sang O mio babbino caro (Puccini). Man hätte es umgekehrt erwartet. Die Raimondi berührte mit Strauss-Liedern, die Baltsa mit Gesängen von Mikis Theodorakis, nachdem sie zuvor eine Rossini-Kavatine mit Witz, Charme und unverminderter Geläufigkeit vorgetragen hatte. Zuletzt das Rosenkavalier-Finale mit Ingrid Kaiserfeld als Marschallin; Raimondi und Baltsa bewiesen als Sophie und Octavian, dass die Zeit wirklich „ein sonderbar’ Ding“ ist – man kann sie auch vergessen.

Viel Beifall. Wie schwer ein homogener Klang und technische Sicherheit zu erzielen sind, hörte man vor allem bei Richard Strauss (auch beim von Helene Sprinzl gut gespielten Waldhornkonzert). Im zweiten Teil, bei der Begleitung für die Baltsa und bei Romeo und Julia (Tschaikowsky), hatte man den Eindruck einer vollwertigen professionellen Leistung des Orchesters. Viel Beifall für die ambitionierten jungen Musiker und die Sängerinnen.“

Karl Löbl, „Österreich“ vom 15.09.2007

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